Dienstag, 24. April 2012
In der Verbotenen Stadt
Ja, mein erstes Besichtigungsziel! Das war noch, als ich in der anderen Wohnung mit meinen unzähligen Mitbewohnern lebte :D Als ich am Donnerstag (29. März) in Peking angekommen bin, hab ich erfahren, dass ich bis einschließlich folgenden Mittwoch frei hatte. An diesem Mittwoch war das so genannte Qingming Festival, ein Totengedenktag. Diese kleinen Ferien habe ich dann zum Erholen, aber eben auch zum Besichtigen der Verbotenen Stadt genutzt.

Auf dem Tiananmen. Im Hintergrund seht ihr das Bildnis von Mao Zedong

Das Wetter war leider nicht so toll, sodass ich nur Fotos mit grauem Himmel habe, aber was soll’s! Ich war da ;)
Über den Tiananmen gelangt man dann über unzählige Tore (zu denen immer mehr Treppen hochführen) zur Mitte der Verbotenen Stadt – zum Kaiserpalast.

In der verbotenenen Stadt

Insgesamt ist die Verbotene Stadt ja ein riesiges Gebiet, in dem sich früher alles, was im entfernten Sinne mit dem Palast zu tun hatte, abspielte. Viele verschiedene Tempel, heutige Museen (Glocken- und Uhrmuseum und Porzellanmuseum zum Beispiel) und hinter der Verbotenen Stadt den „Garten“ des Palastes kann man heute besichtigen. Ich habe nicht alles gesehen – dafür hätte ich einen ganzen Tag aufbringen müssen, aber letztendlich sehen die Gebäude und Tempel ja in irgendeiner Weise doch gleich aus.
Als ich so durch diese Tore und vor allem diese unendlichen Treppen hoch gegangen bin, habe ich mich immer an den Disneyfilm „Mulan“ erinnert gefühlt. Als ich klein war, habe ich den echt gerne gesehen und ich hatte wirklich das Gefühl, in diesen Film hineinversetzt zu werden. Sowieso gibt es so viele Filme über diesen Ort, die Kaiser und so weiter, dass es schon ein beeindruckendes Gefühl ist, durch diese Gebäude zu wandeln.
Mulans Begleiter Mushu habe ich leider nicht getroffen, aber tausend Drachen zieren die Wände der Verbotenen Stadt.

Drachen sind in China ein königliches zeichen und verzieren somit alle wichtigen Gebäude

Weitere Fotos findet ihr in meiner Galerie!



Von Kakerlaken und Duschvorhängen
Die ersten Tage musste ich dann erst einmal mit dem Jetlag kämpfen, zumindest denke ich, dass es der Jetlag war … hatte so etwas ja noch nie vorher :D
Ich würde behaupten, dass ich ca. 1 Woche gebraucht habe, um mich wirklich an alles zu gewöhnen und sagen zu können, dass ich mich eingelebt hab … aber das kann auch an etwas anderem gelegen haben …
Ja, als mir die erste Kakerlake im Bad über den Weg lief, hab ich mir noch gesagt: „Du bist nicht in Europa, damit musst du klar kommen.“
Das habe ich ganze 6 Tage ausgehalten und als ich die ersten auf meinem Koffer gefunden hab, als ich meine Klamotten rausholen wollte, hab ich mir gesagt: So, jetzt reicht’s!
Ich hab die Hutong School angerufen und verlangt in eine andere Wohnung zu ziehen. Das hat auch alles gut geklappt und ich fühle mich hier jetzt super wohl! Ich habe zwei liebe Mitbewohner: Natalie Taylor (aus England) und Eric Dessertenne (aus Frankreich). Wir verstehen uns super und haben viel Spaß zusammen.

Nur so am Rand: Das war kurz bevor wir gegangen sind ;) Das Essen ist hier so billig, da haben wir erst einmal alles ausprobiert!

Unsere Wohnung ist auch echt schön (im Vergleich zu meinem ersten Zimmer LIEBE ich sie :P ). Wir haben zwei Stockwerke, was ja schon einmal sehr cool ist, aber leider ist das obere Wohnzimmer komplett leer, also keine Möbel. Wir haben versucht aus dem dunklen Wohnzimmer unten die Couch hoch zu tragen, weil es oben so schön hell ist und es mehr Platz gibt, aber dafür war leider die Treppe zu eng  Naja, auf jeden Fall habe ich mir das obere Zimmer geschnappt, sodass ich fast mein eigenes Bad und eine große leere Fläche :D für mich alleine habe. In meinem Zimmer sind die Möbel alle ziemlich neu und es gibt viel Platz. Da ich direkt unterm Dach bin, habe ich leider nicht so einen schönen Ausblick auf die Stadt (besonders nachts sehr schön!) wie Natalie unten.
Am Anfang fehlten uns noch einige Sachen, aber die hat die Hutong School nach einigem Nachfragen dann doch vorbeigebracht (Gläser, Teller, Duschvorhang, Mikrowelle etc.). Man hat uns gesagt, dass wir die ersten Schüler in dieser Wohnung sind (das sieht man auch, da die Wände neu renoviert sind.)
Ah, à propos Duschvorhang: Dazu muss ich noch erzählen, was man für eine Dusche in China vorfindet. Ich habe zwar gehört, dass einige andere Schüler der Hutong School das Glück haben eine Dusche zu haben, wie wir es gewöhnt sind, aber geläufiger ist es, dass es kein Duschebecken gibt, in das man hinein steigt, sondern dass einfach ein Duschkopf an einer der Wände hängt (ich bin ja froh, dass er beweglich ist) unter den man sich stellt. Somit könnt ihr euch vorstellen, dass das ganze Badezimmer (samt Toilette neben dran) pitschnass ist, wenn man fertig mit Duschen ist. Mal ganz geschweige denn davon, dass es ein merkwürdiges Gefühl ist neben der Toilette zu duschen und sich (bis er noch nicht beschlagen ist) dabei im Spiegel zusehen kann!
Seit wir nun den Duschvorhang haben geht das alles besser und man hat nicht mehr so das Schwimmbadgemeinschaftsduschenfeeling.



Los geht's!
Also wo fange ich am besten an?
Auch wenn es sich für mich nicht so angefühlt hat, aber eigentlich würde ich mal behaupten, dass so eine Reise am Flughafen beginnt. Aber selbst als ich mit meiner Familie und meinem Freund in Frankfurt vollgepackt mit Koffern und Taschen ankam, war es mir noch nicht wirklich bewusst, dass ich in ein paar Stunden am anderen Ende der Welt sein würde. Nach einem kurzen Mahl bei McDonalds ging’s dann auch schon Richtung Check-in und der große Abschied stand bevor. Davor hatte ich mich die letzten Tage schon gefürchtet, deshalb war ich eigentlich mehr aufgeregt gewesen, als wegen der Reise selber :D Aber da ich doch so gespannt darauf war, was alles so auf mich zukommt, ging das dann doch mit ein paar Tränen schnell vorbei und ich fand mich alleine am Gate wieder. Es konnte los gehen.

Am Frankfurter Flughafen vorm Checkin, die Spannung stieg ...

Ich bin vorher noch nie so lange geflogen. Also war ich sehr auf den Flug gespannt. Ich hab mich mit Zeitschriften vollgepackt, aber ich hab letztendlich nur 2 Filme geguckt und ansonsten geschlafen. Die 17 Stunden, die ich insgesamt unterwegs war, sind so schnell vergangen und ich denke, das verdanke ich auch teils meinen netten Sitznachbarn im Flug nach Dubai. Dort mussten wir uns dann aber nach ein paar Kaffee trennen, denn ich musste weiter nach Peking, sie nach Tokio. Der zweite Flug war dann jedoch nicht so angenehm. Ich hab total gefroren und das, obwohl man schon eine Decke bekommt. Diese sammeln die Flugbegleiter auch normalerweise kurz vor der Landung wieder ein – als sie mich gesehen haben durfte ich sie dann aber doch behalten :D

In Peking gelandet war ich super müde und war (obwohl ich von dem äußeren Anblick meiner Unterkunft im ersten Moment nicht wirklich angetan war) heilfroh endlich in meinem neuen Heim zu sein.



Kurze Einleitung
Damit ihr auch wisst, was ich eigentlich in China zu suchen habe:
Ich habe im März mein Abitur abgelegt und ich wollte einfach nicht von der Schulbank in den Hörsaal.

China hatte für mich schon immer einen ganz bestimmten Reiz. Viele Menschen, den ich gesagt habe, dass ich plane für 3 Monate nach China zu gehen, konnte das absolut nicht nachvollziehen.

Was willst du denn da? Die essen Hunde und haben keine Menschenrechte.

Das ist alles, was die meisten über China wissen. Und ich wollte eben das alles einmal SELBER sehen und meine eigene Meinung bilden.

Wieso fährst du nicht in die USA, nach Australien oder Kanada?

Das ist das, was die meisten machen, wenn sie eine Zeit lang nach dem Abschluss ins Ausland gehen. Und das sind auch bestimmt alles sehr sehenswürdige Länder, die ich auch noch sehen möchte. Aber letztendlich spricht China für so viel Geschichte und Kultur, was die USA einfach nicht haben! China bedeutet doch für die meisten von uns noch ein großes Mysterium - angefangen bei den Zeichen, die einem wie Hyroglyphen vorkommen, wenn man sich damit nicht auskennt, die Menschen denken anders, leben anders, essen anders, verhalten sich anders - sind anders.

Und genau das ist es, was ich sehen wollte. Und ich kann euch sagen, ich bereue diese Entscheidung überhaupt nicht. Mein Aufenthalt hier bedeutet mir schon nach diesen ersten 3 Wochen so viel, dass ich schon Angst habe, dass mir die Zeit davon läuft!
Und was mich hier so anzieht, erfahrt ihr in den folgenden Posts!

Aber wie bin ich hierhin gekommen?
Also ich habe sehr viel nachgedacht, was ich während meines Aufenthalts in China machen will, es gibt da sehr viele Möglichkeiten. Da ich aber plane mich für Oktober an der Universität Tübingen für den Studiengang "International Business Administration and East Asian Studies" zu bewerben, habe ich mich am Ende für ein Praktikum entschieden.
Diese Möglichkeit hat mir dann die Hutong School geboten. Sie haben meinen Praktikumsplatz bei China Performance Group und meine Unterkunft organisiert. Zudem habe ich 6 Stunden die Woche Chinesischunterricht und kann an verschiedenen Unternehmungen (Trip zur Chinesischen Mauer, Vortrag über Chinesisches Kino, Chinesisch Kochen etc.) teilnehmen.

Alles weitere also in meinen Posts!